Bei dem hier geführten Interview handelt es sich um ein Gespräch mit Egon Kornblum, welches am 7.7.1995/26.10.1995 im Rahmen des Projekts „Archiv der Erinnerung“ von Irene Diekmann und Eva Lezzi mit Egon Kornblum durchgeführt wurde.
Egon Kornblum, geboren 1918 in Rathenow, war der Jüngste von drei Söhnen. Er berichtet über seine Schulzeit, die herausragende Stellung seines Vaters in der jüdischen Gemeinde, die antijüdischen Boykotte ab 1933, seine Ausbildung zum Optiker, den antijüdischen Lehrplan, die Nürnberger Gesetze, die ihm die Teilnahme an seiner Abschlussprüfung untersagten, die Prügel und Verhaftung seines Vaters in der Reichspogromnacht, die Flucht zu einer Tante nach Berlin, die Auswanderung seines mittleren Bruders nach Palästina, den Tod seines älteren Bruders durch Krankheit im Jahr 1939, die Auswanderung nach Schanghai, die Gründung einer zionistischen Jugendgruppe, die sich verschlechternden Bedingungen nach Pearl Harbor, die Arbeit in einer Lederfabrik, die Ankunft der US-Streitkräfte, Auswanderung nach Seattle im Jahr 1948, dann nach Tel Aviv im Jahr 1949; Wiedersehen mit seinem Bruder; Heirat; Geburt von zwei Kindern; Rückkehr nach Westdeutschland; Tod seiner Frau und seines Bruders im Jahr 1986; Besuche in Rathenow.
Der hier gezeigte knapp 40-minütige Auszug des Interviews wurde für die pädagogische Verwendung in Schule, Erwachsenenbildung und Universität ediert.
[00:14] Ja, ich wurde am 15. Mai 1918 als dritter Sohn des Kaufmanns Alfred Kornblum in Rathenow geboren. Mein ältester Bruder war acht Jahre älter wie ich, mein zweiter Bruder war sechs Jahre älter wie ich. Mein Vater war Kaufmann, hatte also ein Herrenartikelgeschäft. Rathenow war ‘ne Kleinstadt von circa 27.000 Einwohnern, war aber berühmt durch die Stadt der Optik, große optische Werke wie Busch, Nitsch & Günther prägten die Stadt. Es gab verschiedene Arten von optischen Firmen, es gab optische Firmen, was Brillenfassungen in Metall herstellten, es gab Firmen, die Brillenfassungen in Schildpatt, in Horn herstellten, es gab Firmen, die Gläser herstellten, die verschiedenen Schärfen, gab Firmen, was sich damit befassten, die Gläser einzuschleifen in die Brillen. Das waren so kleine Firmen, aber es gab natürlich eben diese großen genannten Firmen wie Busch, Nitsch & Günther. Und wir waren eine jüdische Gemeinde von hundert Seelen, das heißt also Männer, Frauen und Kinder. Wir hatten eine Synagoge, wir hatten einen Kantor und Religionslehrer, der gleichzeitig Schochet war, das heißt also, dass er nach der jüdischen Vorschrift das Vieh – heißt Kühe oder Kälber – geschlachtet hat, auch Kleinvieh, Hühner, Gänse und so weiter. Dieser Mann war Max Abraham, an den ich mich erinnern konnte, bei dem ich auch Bar Mitzwah wurde, das heißt also Konfirmation, respektive Kommunion mit 13 Jahren. Dieser Mann war streng religiös, und nachdem wir die einzige Familie in Rathenow waren, die also koscher lebte, nach den Speisegesetzen, hat er bei uns gegessen. Meine Kindheit verlief eigentlich problemlos. Meine Mutter half meinem Vater im Geschäft. Wir hatten also zuerst ein Kindermädchen und ein Dienstmädchen, die also kochte und die Wohnung saubermachte. Wir wohnten im Hinterhof, vorne war ein... auf der einen Seite das Geschäft meines Vaters, auf der anderen Seite war die Apotheke. Das war auch der Inhaber des Hauses. Und dann ging man, war so eine Autoeinfahrt nach hinten in den Hof, und dort lag unsere Wohnung. Dreizimmerwohnung und Küche. Ich ging dort in die Volksschule vier Jahre und ging von dort dann aufs Gymnasium bis zur Quarta. Bin dann allerdings nicht mitgekommen und bin dann abgegangen auf die Mittelschule und hab’ dann die Mittelschule, die heute Jahn-Schule heißt, bis zur mittleren Reife oder Untersekunda besucht. Wir hatten insofern ein religiöses Leben, als meine Mutter kam aus sehr religiösem Hause. Wir hatten also nach den Speisevorschriften gekocht und gegessen, es wurde nur Fleisch gegessen, welches koscher geschächtet wurde. Mein Vater war nicht so religiös und hatte also am Shabbat entgegen dem Gesetz sein Geschäft offen, [00:04:22] hat allerdings am Schabbat nicht geraucht, hat sich nicht rasiert. An Feiertagen wie Neujahr oder Versöhnungsfest hat er das Geschäft geschlossen gehabt. Wir hatten regelmäßig Freitag- und Abend-Gottesdienst in der Synagoge, und, es war in einer Kleinstadt, wo eben nur hundert Menschen wohnten, immer nicht so einfach Minjan zu bekommen. Minjan heißt, um gemeinschaftlich beten zu können, braucht man zehn Männer, und die meisten waren Geschäftsleute. Es gab auch einen Schuhmacher und einen Schneider, sonst gab es einen Zahnarzt und Zahnchirurg, einen praktischen Arzt, [00:05:25] die anderen waren Geschäftsleute. Es gab auch zwei oder drei jüdische Firmen, die sich mit Optik beschäftigt hatten. Ich hatte natürlich Schulkollegen, die Freunde waren, und ich hatte natürlich auch jüdische Freunde. Es waren nicht sehr viele, weil es gab eben nicht sehr viele Jugendliche und es ging eigentlich die Schulzeit bis (19)33 problemlos. Das heißt, ich bin 1934 aus der Schule gekommen.
[06:10] Am 30. Januar (19)33 kam Hitler zur Macht. Da war ich 15 Jahre alt. Da hatte man allerdings keine Vorstellung. Also, Rathenow war auch Garnisonstadt, die Zieten-Husaren waren dort. [00:06:28] Und es war ‘ne große Kaserne, und dann ist man sehr oft hingegangen, hat dort zugeschaut. Es waren Umzüge mit berittenen Pferden usw., und man wurde also deutsch erzogen und hat dann also Gefallen daran gehabt. Wie Hitler also zur Macht kam, da hatte man eigentlich noch nicht mit 15 Jahren noch nicht die Übersicht, was eigentlich das Programm ist, und man hat sich für Politik eigentlich nicht interessiert, das kam erst zum Ausdruck am 1. April (19)33. Das war ein Samstag, ein Shabbat, und ich weiß, dass mein Vater, der Vorsitzende der Gemeinde war, mich sehr oft an diesem Tage zu den Geschäftsleuten geschickt hat und versucht, ob es nicht möglich ist, für ein bis zwei Stunden in die Synagoge zu kommen, damit man beten kann. Und das wurde meistens von den Geschäftsleuten immer abgelehnt mit dem Hinweis: [00:07:29] „Heute, Sonnabend, ist Geschäftstag!“ Und das waren sehr viele Dörfer in der Nähe, die Bauern kamen rein und die Dorfbevölkerung kam rein und dann hat der Inhaber meistens an der Kasse gestanden. Es war also sehr schwer. Am 1. April (19)33, also – dieser Samstag – war Boykott, und da wurde uns zum ersten Mal eigentlich bewusst, dass die neue Regierung antijüdisch eingestellt ist. Es fing damit an mit dem Boykott, das hieß also, dass SA in ihrer braunen Uniform vor allen jüdischen Geschäften, vor allen jüdischen Arztpraxen, Anwaltspraxen standen und die Leute gehindert haben mit dem Hinweis: „Hier jüdisches Geschäft, kauft nicht bei Juden.“ [00:08:31] An diesem besagten 1. April (19)33 wurden also die Geschäfte geschlossen, weil, man hat ja keinen reingelassen und die Leute hatten effektiv Angst, wurden eingeschüchtert und dann haben die Geschäftsleute also kurz und bündig abgeschlossen und sind in die Synagoge gegangen, so dass man damals gesagt hat, also das muss erst an Herr Hitler kommen, damit die Juden bewusst sind, auf ihr Judentum, und gerade, sagen wir mal, unter deutschem Judentum – es widerstrebt mir, nach allem, was passiert ist zum deutsche Judentum zu sagen – und ich bezeichne mich heute als Juden in Deutschland, aber nicht mehr als deutscher Juden, weil das hat man mir ausgeredet, man hat gesagt: „Du bist ein Saujude, bist ein Dreckjude, bist kein Deutscher.“
[09:19] 1934 kam ich aus der Schule, und dann fand ich eine Lehre als Optiker. Da war also der Inhaber mit einem Kompagnon. [00:09:31] Der Kompagnon war Jude gewesen, der hieß Felix Berger und der Inhaber war Witzel. Und habe dort also eine dreijährige Lehre gemacht. Metallbrillenfassungen – und musste dann auch zur Berufsschule. In der Berufsschule hat es unter anderem „Rassenkunde“ gegeben. Und jetzt müsst ihr euch vorstellen, dann hat man solche Posters aufgehängt, heute sagt man Posters dazu, dann stand dann auf dem einen, war abgebildet der Deutsche, der Germane. Frau: groß, blond, blauäugig, ja alles so Merkmale, die Adolf auch gehabt hat, ja. Daneben wurde dann irgendeiner von den slawischen… Pole, Jugoslawe usw. hingestellt. Dann kamen die Afrikaner mit den wulstigen Lippen usw., [00:10:33] und dann kam eben dieser Jude, der nach diesem Muster von diesem „Stürmer“ eben krumm, mit den großen Nasen usw. Und dann wurde gesagt, hier, das ist die typische arische Rasse, groß, blond usw. Da waren ja schon die Jugendverbände, die Jungs in HJ, in der Hitlerjugend, wo man mit neun oder zehn Jahren eintreten konnte, die Mädels sind im BDM, Bund Deutscher... Deutscher Mädels – wir haben dann immer gesagt: „Bin deutsche Mutter.“ Und dann wurden natürlich diese Posters erklärt vom Lehrer, und das wurde dann in der Weise hingestellt, dass man gesagt hat: „Also hier, der Deutsche, der nicht nur richtiges arisches Blut hat, reines Blut hat, sondern der auch prädestiniert ist, über andere Völker zu herrschen. [00:11:35] Andere Völker sind minderwertig.“ Dazu zählten also die Slawen, Polen, Jugoslawen, dann zählten die Afrikaner, die also ganz unten durch waren. Aber wer überhaupt nicht zu dieser Kategorie gehört, wenn man mit Ratten und Mäuse verglich, das waren die Juden. Also von denen ging alles Schlimme aus, die waren dazu ausersehen, die Welt zu beherrschen, der Welt den Krieg zu erklären, und wenn man überlegt, es hat damals gegeben 16 Millionen Juden in der Welt und ich weiß nicht, wie viele Milliarden Deutsche, wenn Sie nur daran denken, 100 Millionen Chinesen alleine, weiß gar nicht, wie viele andere Völker hatte. Deutschland war ein Volk von 68 Millionen, in Deutschland gab es 500.000 Juden, und da hat man diesen Leuten eingeimpft, also diese 500.000 Juden bilden eine Gefahr für 68 Millionen Deutsche. [00:12:36] Und jetzt saßen die da in dieser Berufsschule und hörten sich das an, und sie waren der einzige Jude, und das Schlimme dabei war, dass man konnte sie also treten, man konnte ihnen Ohrfeigen geben und sie hatten keine Möglichkeit, sich irgendwo zu beschweren, es gab effektiv kein Recht. Weder der Lehrer noch der Rektor noch der Schulrat. Alles war doch nationalsozialistisch.
[00:13:10] (19)37 war meine Lehre zu Ende. Und dann hatte ich mich angemeldet für Gesellenprüfung und wurde abgelehnt mit der Begründung, Juden sind nicht mehr zugelassen. Na ja, stand ich natürlich vor der schwierigen Frage, wenn ich weiter geblieben wäre, hätte er mich ja bezahlen müssen als Lehrling, ich hatte ja nicht die Gesellenprüfung, [00:13:36]. Nicht als Geselle, also bin ich weggegangen, darum stand ja auch auf dem... „auf eigenen Wunsch“ und konnte also nur jetzt als ungelernte Arbeiter... Und ich hab’ dann gearbeitet auf einer Schiffswerft, Dröscher hieß die, und man hat das natürlich alles ausgenutzt. Es gab damals Weihnachtsgeld, und dann hat man mir das Weihnachtsgeld vorenthalten, mit der Begründung, die Juden haben ja kein Weihnachten, also brauche ich dir auch kein Weihnachtsgeld zu bezahlen. Ich war aber damals frech gewesen und bin zur Deutschen Arbeitsfront gegangen. Die Deutsche Arbeitsfront war natürlich nationalsozialistisch. Und die sind dann hingegangen zu diesem Dröscher und haben gesagt: „Du hör mal zu, Du musst dem Weihnachtsgeld geben. Du kannst nicht sagen, weil so und so, aber Du brauchst ihn nicht weiter beschäftigen, brauchst keine Juden beschäftigen.“ Dann hat er mir also das Weihnachtsgeld gegeben und hat mich entlassen. [00:14:37] Und jetzt kam folgendes Bild. Die Leute beim Arbeitsamt, das waren also alte Beamte, und wenn ich sage jetzt alt, dann meine ich jetzt nicht altersmäßig, sondern sagen wir mal, die lange dabei waren. Und in einer Kleinstadt wie Rathenow, kennt einer den anderen, zumal wenn der Vater noch Geschäftsmann war. Und die wurden ja nicht alle von heute auf morgen nationalsozialistisch. Ja, mussten vielleicht ruhig sein, sind eingetreten aus Furcht oder sind nicht eingetreten, aber innerlich gedacht haben sie nicht hundertprozentig alle Nazis. Die haben jetzt versucht, mir Zuweisung zu geben zu irgendwelchen Firmen. Nur ich musste immer dabei sagen, dass ich Jude bin. Und dann oblag es dem Betrieb zu sagen, wir stellen Juden ein oder wir stellen keine ein. Ich hatte zum Beispiel eine Zuweisung zu Busch oder Nitsch & Günther, [00:15:37] ich erinnere mich nicht mehr. Und der Betriebsrat war einer, der unseren Lehrer angegriffen hat oder angreifen wollte und der hat ihn zusammengeschlagen, und der wurde nachher abgeholt. Und wie ich dem sagte, dass ich Jude bin. Nein, das fing so an, dass er sagt: „Haben Sie schon den Arbeitsfront gemacht, Arbeitsdienst?“ Und da habe ich gesagt: „Nein.“ „Aber Wehrdienst haben Sie gemacht?“ Das war ja so, dass Hitler hat die Leute von der Straße gebracht, indem er den Arbeitsdienst eingeführt hat mit dem Spaten. Diente ja alles der Kriegsvorbereitung, Autobahn bauen und und und... und später mussten die dann noch zur Wehrmacht. Ja, da wurde gerüstet, Flugzeuge und alles war ja für den Krieg mal bestimmt, und wie er dann gesagt hat: „Aber Wehrmacht waren Sie?“ Da sag’ ich: „Nein, ich glaube auch nicht, dass ich dazu komme.“ Sagt er: „Ja, wieso?“ Sag’ ich: „Ich bin Jude.“ „Ach, Sie sind Jude, das tut uns furchtbar leid. Da können wir Sie nicht einstellen.“
[16:37] Inzwischen hatte ich im Januar (19)38 eine Zuweisung zum Bau, als ungelernter Hilfsarbeiter bei den Zimmerleuten. Bin dann hingekommen, hab’ dem Polier diesen Schein gezeigt und habe ihm gesagt: „Muss Sie aber aufmerksam machen, ich bin Jude.“ Sagt er: „Wissen Sie was? Wir werden sowieso bald Krieg haben, dann werden alle Männer eingezogen, die Juden wird man nicht nehmen. Da sind sie gut genug zum Arbeiten, den Quatsch mache ich nicht mit. Wenn Sie wollen, können Sie morgen anfangen, Stundenlohn 50 Pfennig oder 55 Pfennig.“ O.K., und dann habe ich dort angefangen zu arbeiten. Und das ging dann bis November. Am Vorabend diese Frau besucht und am nächsten Tag, wir mussten um sechse anfangen, die Facharbeiter, die Mauer und die Zimmerleute, die kamen um sieben. Und dann habe ich dort gearbeitet und um sieben kamen die Facharbeiter. Und da habe ich gehört, wie einer dem anderen zugerufen hat: „Du, die schlagen den Judentempel kaputt.“ [00:17:40] Ich bin also zum Polier gegangen und habe ihm gesagt: „Ich möchte gerne ’ne halbe Stunde frei haben.“ Bin mit dem Fahrrad nach Haus gefahren. Die Eltern hatten natürlich kein Geschäft mehr, die haben, der Vater hat, wir haben in einem jüdischen Warenhaus gelebt, oben in der Wohnung, und der Vater hat dann seinen Kunden besucht, nachdem er kein Geschäft mehr hatte, und hat gefragt, was sie brauchen. Und die alten Kunden haben auch bei ihm gekauft, und er ist dann zu Konitzer gegangen, hat die Ware in Kommission genommen. Wenn er hat gesagt: „Ich brauche ein Oberhemd Größe sowieso“, dann hat er drei, vier Oberhemden in verschiedenen Farben genommen, und dazu braucht er auch ’nen Wandergewerbeschein. Der wurde bei der Polizei von einem Beamten ausgestellt. Ich bin also nach Hause gefahren, habe den Eltern, die noch im Bett gelegen haben, gesagt: „Du, hör’ mal zu, ich hab’ gehört, die schlagen die Synagoge kaputt.“ Und mein Vater hat einfach nicht verstanden, dass die Uhren in Deutschland aufgehört haben zu existieren. [00:18:41] Die nächste Frage: „Und die Polizei?“ Ich bin dann zurückgefahren zur Arbeit. Er hat mir dann später erzählt, er ist dann gegangen zur Synagoge, und das war ungefähr, ich weiß nicht, ob es so weit ist wie von hier, wo ihr Auto steht. Und er hat dort gesehen, vor der Synagoge, eine, Sie haben ja gesehen im Bild, ein Haus neben dem anderen, was man innen ausgebaut hat als Synagoge, hinten auf dem Hof ging man in die Kulturbundräume. Und an der Seite waren noch Räume, die man eigentlich benutzen wollte für Religionsräume oder für Waschung von Leichen usw. Und dann bekamen wir von der Berliner Gemeinde einen Leichenwagen, der aus Holz, aus Eiche war, mit ’nem Davidstern von beiden Seiten und man hat sich dann im Todesfall, also Pferde ausgeborgt und ist dann auf den drei Kilometer entfernten [00:19:41] jüdischen Friedhof Neu Friedrichsdorf gefahren. Also mein Vater ist dann runtergekommen zur Synagoge, hat dort die Menschenmenge gesehen. Reingelassen hat man keinen. Und man hat nur gehört, das Klopfen und das Hacken, das heißt, dass man also das Mobilar, die Sitzbänke kaputtgeschlagen hat. Die Kultgegenstände, wie die Torarollen, was die fünf Bücher Moses sind, hat man herausgeschleppt, mit Gebetsbücher, mit Gebetsmäntel hinten auf dem Hof aufgeschichtet. Den Thoraschmuck, der aus Gold und Silber war usw. hat man konfisziert, hat das Ganze angezündet. Dann ist man in die hinteren Räume gegangen, die Kulturbundräume, hat dort das Klavier zerhackt, Teller und Tassen kaputtgeschlagen, Mobilar kaputt geschlagen und als Prunkstück hat man dann herausgezogen [00:20:43] den Leichenwagen, um ihn anzuzünden mit Benzin übergossen, aber nachdem der Eiche war, hat der nicht gebrannt. Und dann haben sich ein paar Leute aufgerichtet und haben gesagt: „Man macht nicht mal vom Leichenwagen halt.“ Da haben sie ’nen LKW geholt, haben die aufgeladen. Ich weiß nicht, ob sie die ins Gefängnis oder ins KZ getan haben, es waren keine Juden. Mein Vater ist dann, wie er mir später erzählt hat, zurückgegangen und war vielleicht noch entfernt von hier bis – sagen wir – da drüben, das Haus, was sie da sehen. Und da kam auf der anderen Straßenseite der Polizeibeamte, der mir auch später meinen Pass gegeben hat, von der anderen Straßenseite. Das war in Höhe der Post, direkt an der Post in Rathenow, auf die andere Straßenseite rüber, rempelte mein Vater an und sagte: „Du Judenschwein, hast mich angerempelt, du bist verhaftet.“ So war mein Vater der Erste, der ins Polizeigefängnis eingeliefert wurde. Er war ungefähr 20 Minuten drin, [00:21:45] da kam dieser Beamte rein, hat ihn zusammengeschlagen, hat ihm zwei Zähne ausgeschlagen und ist wieder weggegangen. Nach weiteren 20 Minuten kam der Gestapokommissar, der also sehr menschlich war und hat gesagt: „Herr Kornblum, sie bluten ja“, worauf mein Vater gesagt hat: „Ja, ich habe mich gestoßen.“ Hätte er was anders gesagt, wäre er sehr wahrscheinlich wiedergekommen, der Beamte, und hätte ihn nochmal zusammengeschlagen. Und dann hat man im Laufe des Tages alle männlichen Juden mit Ausnahme meines Bruders, der in Berlin war, der also Orthopädiemechanik, Bruchbänder und Einlagen gelernt hatte, um die für Palästina zu verwerten, mein Bruder, der Kranke, der Älteste, der mit 13 Jahren fing die Leukämie an, mit 29, am 8. Januar (19)39, ist er gestorben, und meine Wenigkeit und Kinder nicht. Die hat man also alle abgeholt, das war an einem Donnerstag, [00:22:46] glaub’ ich, hat sie ins Polizeigefängnis eingeliefert, darunter waren auch meine Onkel, hat sie dort gehalten bis Mittwoch, hat man ihnen das Geld abgenommen, hat ein Autobus gechartert, hat sie gebracht nach Potsdam in die Gestapo. Und von dort gingen sie dann nach Sachsenhausen. Und meinen Vater haben sie aus unerklärlichen Gründen zurückgeschickt, am Freitag. Weiß heute noch nicht, warum. Man sagt, weil er über 60 war, weil er der Älteste war, ich weiß es nicht.
[23:19] Dann war die Aktion zu Ende. Da habe ich gesagt: „Ich bleibe keine Minute länger in Deutschland“. Der Mittlere wollte nach Palästina, und der hat dann gearbeitet beim Mizrachi, bei der religiösen zionistischen Organisation, wo der Josef Burg, der jetzt auch hier gesprochen hat, bei der Einweihung in der Oranienburger Straße, der war in Israel Religionsminister. Und den hat er geweckt in der Frühe und hat gesagt: „Du musst, ich muss raus. Du musst mir helfen.“ [00:23:48] Und der hat ihm auch geholfen, dann Mitte März mit einem illegalen Transport über Jugoslawien, Griechenland nach Palästina, weil die Engländer haben ja auch nicht reingelassen, nur ’ne bestimmte Quote. – Und ich bin jedes Mal, dann versucht, also erstmal ’nen Pass beantragt. Bin dann nicht mehr zum Bau gegangen. Die haben sich noch sehr anständig gezeigt, haben mir dann Mitte Dezember geschrieben, ob ich da wiederkomme, weil sie ja noch Kasse bezahlen für mich, und ich hab’ dann geschrieben, nein, ich komme nicht mehr zurück, ich wandere aus. Und haben mir dann noch das Weihnachtsgeld noch zugeschickt. Und am 3. Januar bekam ich dann den Pass von dem Beamten, der meinen Vater zusammengeschlagen hat und gesagt hat: „Wir haben sie absichtlich nicht verhaftet, weil sie der einzige Jude sind, der richtig gearbeitet hat, die anderen haben nur gehandelt und geschachert, aber wir würden ihnen raten, auch in Schanghai nichts zu erzählen, was sie hier gesehen haben, unser Arm reicht auch bis Schanghai.“
[24:51] Ich bin dann wiederholen nach Berlin zum Hilfsverein*. Ich hatte erstmal nicht das ganze Reisegeld. Der Hilfsverein hat sich quergestellt, hat gesagt: „Wir müssen erst die Leute rausholen aus dem KZ.“ Das heißt, geh erst ins KZ, dann helfen wir dir, so ungefähr. Und ich war furchtbar wütend gewesen, und bin dann immer unter dem Kudamm, und dann war Kudamm oder, oder Unter Linden, ich weiß nicht mehr, da war der Lloyd Triestino, also die italienische Reise, Schiffsreisegesellschaft. Und dann habe ich beim Hilfsverein gesagt: „Ich möchte nach Schanghai“. Da brauchte man also kein Visum, weil die Japaner sind ja (19)37 in China eingefallen, ohne Kriegserklärung, dreiviertel Schanghai war besetzt. Die Chinesen hatten also nichts mehr zu sagen. Die Japaner haben sich nicht drum geschert, Da konnte man eigentlich ohne Visum nach Schanghai fahren. Und der Beamte, der hat sich immer damit ausgeredet: „Also gut, gut, wenn wieder ein Schiff geht, sage ich Ihnen Bescheid.“ [00:25:51] Und eines schönen Tages, im Januar, glaube ich, Ende Januar, ich hatte den Pass schon. Und es war gefährlich, den Pass zu beantragen und dann nach drei Monaten nicht weg zu sein. Kam ich dann wieder an dem Lloyd Triestino vorbei, eine riesige Menschenschlange, und… sag’ ich: „Was ist denn hier los?“ „Ja, heut’ teilt man Karten, Ende März geht ein Schiff nach Schanghai.“ Ich zum Hilfsverein, und der Kerl sagt mir ins Gesicht: „Es geht noch kein Schiff“, und dann hab’ ich den Arschbecher genommen und hab’ ihn nach ihm geschmissen. Er hat sich geduckt, und der Arschbecher ist an die Wand gefallen. Ich hatte eine Cousine, die hat dort gearbeitet, die ist mir dann in die Arme gelaufen, und hat gesagt: „Pass mal auf, ich bin bei einem der Direktoren.“ Und mir hat damals gefehlt, [00:26:52] hundert Mark für die Reise oder was, sollt der Hilfsverein übernehmen. Habe ihm die ganze Sache erzählt, und dann hat er sofort Order gegeben, die haben nicht bewilligt die hundert Mark, die haben bewilligt die ganze Reise nach Schanghai. Ich bin runter zum Lloyd Triestino und hab’ gesagt: „Ich war schon x-mal dort.“ Der eine war am Sieg, ja, Mensch, kaum noch was machen, weil Sie gelogen auch schon so oft. Wir haben nichts mehr, es ist alles besetzt. Und da hörte ich, wie einer von den Verkäufern sagte: „Da hat der und der ’ne Fahrkarte zurückgegeben.“ Und dann haben die gesagt: „Mensch, Sie haben Glück. Haben Sie Ihren Pass?“ Sag’ ich: „Ja.“ „Ist Ihr Koffer gepackt?“ „Ja“, war natürlich noch nicht gepackt. „Sie können fahren am 29. März mit der Conte Biancamano.“ Nach Hause gekommen, den Eltern gesagt. Bruder war damals schon gestorben. Eltern haben immer gehofft, dass der ihnen bleibt. [00:27:52] Sie wussten ja, dass wir auswandern, waren zwar nicht einverstanden, die haben gehofft, Holland oder Belgien, die haben ja auch nicht an Krieg geglaubt, das ist nicht so weit. Aber ich habe gesagt: „Europa ist nicht sicher, ich gehe nach Übersee.“
[28:06] Und dann haben die Eltern mich nach Berlin gebracht, zum Anhalter Bahnhof, und ich war im Zug. Die waren draußen, musste ja Proviant mitnehmen. Juden war es ja verboten, in Speisewagen zu gehen, und nach Italien fährt man auch nicht eine Stunde, sondern 24 Stunden, und die Eltern haben geheult, Rotz und Wasser, ich hab’ geheult, Rotz und Wasser. Und ich habe das Gefühl gehabt, ich werd’ die Eltern nicht wiedersehen. Ich habe gesagt, kommt mit, hat mein Vater gesagt, besorgt der erst ’ne Existenz, dann kommen wir nach.
Interviewer: Und was ist weiter geworden aus Ihren Eltern?
Ja, also wir haben noch korrespondiert zusammen im Dezember (19)41, [00:28:54] ja, dann kam Folgendes dazu, dass man also Wohnraum schaffen wollte. Und dann hat es ein Schuhgeschäft gegeben, die Frau hatte zwei Söhne. Der erste Sohn ist im Ersten Weltkrieg gefallen, und der andere ist ausgewandert nach Israel, Palästina. Ihr Mann ist gestorben. Schuhgeschäft hat man liquidiert. Und die hatte eine Vier- oder Fünf-Zimmer-Wohnung, und dann hat man bestimmt also, drei Familien, darunter waren auch meine Eltern, müssen da reinziehen, das heißt meine Eltern bekamen ein Zimmer, die zweite Familie bekam ein Zimmer, und diese Witwe, der die Wohnung gehörte und das Haus, glaube ich, gehörte, bekam auch ein Zimmer. Jetzt können Sie sich vorstellen, einmal hat man dadurch Wohnraum geschaffen, weil meine Eltern hatten ja Dreizimmerwohnung, zum Zweiten konnte man ja nicht die Möbel mitnehmen [00:29:56] von einer Dreizimmerwohnung, also musste man sich beschränken, musste entweder einen Teil verkaufen oder musste zurücklassen und da reinzuziehen. Und dann passierte es, dass, wie ich durch Korrespondenz, und das habe ich Ihnen auch das Ding gegeben, da vom Archiv in Potsdam, im Dezember (19)41 angeblich Hitlerjugend, namentlich aufgeführt, im Alter von 8, 10, 12 Jahren, der Friedhof in Rathenow hat eine Ziegelmauer, ungefähr zwei Meter hoch, vorne ein Eisentor, von hinten, steht mitten im Wald, von hinten ein Loch reingeschlagen hat, da ist man durchgeklettert und hat dann angeblich mit Äxten und Hämmern Grabsteine... ungefähr 60, 70 Grabsteine, hat man mindestens 50 zerhackt, [00:30:58] kaputtgeschlagen, den Friedhof verwüstet, die anderen umgeschmissen. Und mein Vater war damals noch so naiv und ist dann zur Polizei gegangen und hat das gemeldet, hat gesagt, es soll keine Anzeige sein, es soll nur ’ne Meldung sein, weil ich muss der Zentral-Vertretung der Juden Bericht erstatten und so weiter. Dann hat man eine angebliche Untersuchung eingeleitet, hat dann festgestellt, angeblich festgestellt, dass das drei oder vier Jungs waren aus Neu Friedrichsdorf und aus Rathenow. Hat auch die Namen aufgezählt, das Geburtsdatum aufgezählt, also ich glaube einfach nicht, dass ein 10jähriger Junge in der Lage ist, so einen Marmorstein kaputt zu schlagen, man hat sie gefragt, sie haben gesagt, sie haben woanders gesehen, brennende Synagogen und verwüstete Friedhöfe und sie wollten dem Führer eine Freude machen und haben das auch gemacht. Und der Bericht ist nach Potsdam gegangen und dann hat es geheißen, [00:31:59] Täter sind strafunmündig. Aber ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich das durchlese, dass noch (19)41 mein Vater so naiv war und immer noch nicht begriffen hatte, was gespielt wurde. Im April (19)42 kriegte er dann mit den anderen Juden die Aufforderung, sich fertig zu machen zur Deportation und dann musste er Listen ausfüllen, die hat ja auch Frau Dickmann fotokopiert, und oben in einer Spalte steht dann drinnen, nur aufzuführen Sachen, die man also nicht zur Deportation mitnimmt. Das heißt, sie durften, glaube ich, 10 Kilo mitnehmen im Koffer... und dann blieben zurück Schränke, Tisch, Stühle, Kleidung, und so weiter und so weiter. Das wurde dann geschätzt, also ein schwerer Eichenstuhl gefüttert, fünf Mark und weit unter Wert natürlich und, ich weiß nicht, ob ich sie mal die Kassette gesehen habe, [00:32:59] „Ab morgen heißt du Sarah“ von der Inge Deutschkron, da geht es ja auch so ähnlich, wo die kommen und wollen da für ’ne Vase von 300 Mark, 10 Mark geben und so weiter. Und lässt die Vase dann fallen, ja, und so weiter. und dann wurde das taxiert, für das Taxieren bezahlte man nur 8 Mark und dann blieben dann 540 Mark übrig und die wurde dann, hat dann ein Möbelhändler aufgekauft und Second-Hand-Geschäft, und das Geld hat dann das Finanzamt kassiert. Und die Eltern kriegten dann ja die Aufforderung zur Deportation. Ich habe dann die Unterlagen vom VVN bekommen, und wurden dann nach Warschau deportiert. Im Juni/Juli (19)42, also zwei, drei Monate später, hat die Mutter durch das Rote Kreuz einem Bruder nach Israel geschrieben: „Vater in Warschau, an Lungenentzündung gestorben.“ Und von der Mutter fehlt dann jede Spur.
Rolltext: Von 1939 bis 1948 lebte Egon K in Schanghai. Daraufhin siedelte er in die USA über. 1949 ging er nach Israel, wo er seine Frau Fanny heiratete und die ersten beiden Kinder geboren wurden. Nach der Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland, 1958, folgte ein drittes Kind. Seine Kinder leben heute in verschiedenen Städten Deutschlands. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete Egon K. bei der Stadtverwaltung Essen. Seine Frau starb 1986.
[34:42] Heute sagen die alle „mea culpa“. Die evangelische Kirche und die katholische Kirche, die haben zugeschaut, ja – und sogar so weit ging es, dass Juden, die sich haben taufen lassen, die Pfarrer geworden sind, waren ihre vorgesetzten Pfarrer, die ersten, die sie entlassen haben und gesagt haben: „Du kannst nicht mehr Pfarrer sein.“ Erst hat man sie geholt, hat die Seele gekauft, und bei Hitler ist man dann Gefolgsmann von Hitler geworden. Und darum sage ich, Bücher gelesen, Assimilation ist nur so lange gut, solange man von der Umwelt anerkannt wird. Das hat man bei Hitler gesehen, im Moment, wo die Umwelt sagt: „Du bist kein Christ, Du bist ein Jude“, nützt die ganze Assimilation nicht und darum gab es eben die, die zweite Alternative und das war: Jüdischer Staat. Zionist*. Gibt’s noch ‘nen netten Witz, will ich noch erzählen. Da wird einer Katholik, kommt zum Pfarrer und der Pfarrer sagt: „Also für dich gibt es keinen Freitagabend mehr, [00:35:42] kein Shabbat, jetzt ist Sonntag, Freitag kein Fleisch, nur Fisch.“. Gut, und dann kommt man zum Pfarrer und sagt: „Du, hör mal zu, der übergetreten ist, ist zu Hause und hat die Shabbatkerzen angezündet.“ Der Pfarrer läuft hin und sieht die Shabbatkerzen. „Bist du verrückt? Bist doch Katholik geworden.“ Sagt der: „Na und?“ Sagt der: „Und was sind die Shabbatkerzen?“ „Keine Shabbatkerzen“, sagt der, „zu Ehren, dem ersten Freitag, wo ich Katholik bin, habe ich Kerzen angezündet.“ Sagt der: „Und was ist das auf dem Tisch, die Gans?“ Sagt der: „Herr Pfarrer, das ist keine Gans, das ist ein Fisch.“ „Willst Du mich verrückt machen, ich seh’ doch, das ist ’ne Gans.“ „Nein, Her Pfarrer, das ist ein Fisch.“ Versteh’ ich nicht. Sagt: „Herr Pfarrer, ich bin zu Ihnen gekommen. Sie haben mich dreimal bespritzt mit Wasser und haben gesagt, erst warst a Jud’, jetzt bist a Christ, erst warst a Jud’, jetzt bist a Christ, so hab ich gemacht mit der Gans, ich hab’ sie bespritzt dreimal mit Wasser und hab gesagt, erst warst a Gans, jetzt bist a Fisch.“
[36:40] Interviewer: Haben Sie die Kraft immer für das Leben aus Ihrer Religiosität genommen?
Ja, ja, ja, ja manchmal mehr, manchmal weniger, also man hat manchmal in der Not, nicht jetzt so, dass man jetzt gesagt hat: „Lieber Gott, hilf mir“ Und so weiter.
Aber gezweifelt haben Sie nie?
Gezweifelt habe ich nie, nein, und ich sage auch heute den Leuten, wenn die immer Gott
zitieren und sagen: „Warum hast du das zugelassen?“ Sag ich: „Was hast du denn bis jetzt für
Gott getan? Du erinnerst dich, wenn’s dir schlecht geht, wenn’s Dir gut geht, da erinnerst
Du nicht.“
Der liebe Gott hat den Menschen erschaffen und hat den beiden zwei Willen gegeben, einen
guten Willen, einen schlechten Willen. Und es liegt an jedem Einzelnen dafür zu sorgen,
welcher überwiegt. Ja, wie kann man so fanatisch sein und kann sagen, dieser Mensch ist
nicht lebenswert oder dieser hat eine Religion und deshalb bringe ich ihn um.
Rolltext: Egon K. lebt auch heute noch in Essen. Er hat jedoch enge Kontakte nach Rathenow und engagiert sich dafür, dafür die Geschichte der Juden seiner Geburtsstadt nicht vergessen wird. Auf seine Initiative hin wurde im August 1997 auf dem dortigen jüdischen Friedhof ein Gedenkstein für die ermordeten Juden der Stadt enthüllt
Interview mit Egon Kornblum vom 7.7.1995/26.10.1995, veröffentlicht in: Archiv der Erinnerung, <https://ade.juedische-geschichte-online.net/quelle/ade:source-3> [28.07.2026].