Bei dem hier gezeigten Interview handelt es sich um den Auszug aus der Videoaufzeichnung mit Gisela M., geboren 1925 in Schivelbein, Deutschland (heute Świdwin, Polen). Das Interview wurde von Irene Diekmann, Cathy Gelbin und Karen Remmler geführt.
Gisela M. war eine von zwei Töchtern eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter. Sie beschreibt Schikanen in der Schule, wie sie miterlebte, wie ihr Vater geschlagen wurde, ihren Schulverweis nach der Reichspogromnacht, die vergeblichen Auswanderungsversuche ihrer Eltern, nichtjüdische Freunde, die sie mit Lebensmitteln versorgten; den Umzug nach Berlin; ihre Arbeit als Fabriklehrling; den Verlust ihres Arbeitsplatzes, weil sie die Tochter eines Juden war; die Verhaftung ihres Vaters; die täglichen Demonstrationen ihrer Mutter zusammen mit anderen Frauen jüdischer Männer; die Freilassung ihres Vaters; die Zwangsumsiedlung im Mai 1944; die Zwangsarbeit ihres Vaters beim Bau von Verteidigungsbarrikaden; das Leben in Schutzräumen während der Belagerung Berlins; die Erschießung ihres Vaters durch die SS; sie, ihre Mutter und ihre Schwester begraben ihn; Befreiung durch die sowjetische Armee; Heirat; und die Geburt ihrer Tochter. Frau M. spricht über die Nachkriegspolitik in Ostberlin; dass sie nicht zu Verwandten in die Vereinigten Staaten auswanderte, weil ihre Mutter Deutschland nicht verlassen wollte; die dreijährige Inhaftierung ihres Mannes; und den Umzug in den Westen.
Interview mit Gisela M. vom 29.6.1995/8.8.1995/16.8.1995, veröffentlicht in: Archiv der Erinnerung, <https://ade.juedische-geschichte-online.net/quelle/ade:source-5> [12.02.2026].